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Lebenskunst · 1. März 2021

Arolla, ein Ort ausserhalb der Zeit

Ein bewahrtes Dorf-Resort am Fuss der Gletscher: Arolla hat anderthalb Jahrhunderte durchquert, ohne seine Seele zu verlieren. Ein Lob auf einen Ort, an dem das Schauen dem Handeln vorausgeht.

Von Patricia · 5 Min. Lesezeit

Das Kurhaus von Arolla im Jahr 1898, Zeuge der Anfänge des Bergtourismus

Für Bergliebhaber hat Arolla etwas Mythisches: Es ist der Ort des «echten Bergs», auf knapp 2 000 Metern gelegen, das letzte Dorf des Val d’Hérens. Man kommt am Ende der Strasse an, dort, wo sich das Tal um seine Gletscher schliesst. Und man merkt rasch, dass die Zeit hier nicht ganz im selben Takt vergeht wie anderswo.

Am Ursprung des Reisens

Schon ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten wohlhabende englische Reisende das Wallis auf der Suche nach reiner Luft, gesundem Klima und alpinen Landschaften, getragen von Thomas Cooks Erfindung der organisierten Reise. Es war das goldene Zeitalter des Alpinismus und der Eroberung der grossen Walliser Gipfel. Arolla zu erreichen war damals eine Expedition: zwei Stunden mit der Kutsche von Sion nach Les Haudères, dann zweieinhalb Stunden Saumpfad bis zum Hotel. Niemand kam zufällig.

Ein Dorf-Resort, das sich treu blieb

Der alpine Skisport kam 1968 nach Arolla. Doch das Dorf wurde nie zur Lift-und-Menschenmassen-Maschine. Es blieb jenes «kleine Höhendorf-Resort am Fuss des Gletschers», abseits des touristischen Überbietens. Als Mitglied der Swiss Historic Hotels hat das Grand Hôtel & Kurhaus seinen Charme von einst bewahrt und erzählt, ganz für sich allein, anderthalb Jahrhunderte Bergtourismus.

Ein «Swisstainable»-Abenteuer

Heute erreicht man Arolla über eine asphaltierte Bergstrasse oder, noch besser, mit dem unverkennbaren gelben Postauto – eine sanfte, nachhaltige Art, das Tal mit dem Hochgebirge zu verbinden, das ganze Jahr über. Die Fahrt gehört bereits zur Reise: Man steigt langsam hinauf und spürt, wie die Welt dort unten ferner wird.

Die Kunst der Langsamkeit

Arolla lebt sich in fünf einfachen Gesten, ganz gleich in welcher Jahreszeit: sich auf eine Höhenterrasse setzen, ohne Eile gehen, jene treffen, die das Dorf ausmachen, die Bergküche kosten, die Landschaft betrachten. Es ist eine Blase der Ruhe, ein Lob der Langsamkeit, in der das Schauen stets dem Handeln vorausgeht.

Hier nimmt man sich Zeit – und atmet.

Das ist wohl, was Arolla zu einem Ort ausserhalb der Zeit macht: keine erstarrte Kulisse, sondern ein Ort, der sich entschieden hat, nicht zu hetzen. Dafür kommt man, und aus demselben Grund kehrt man zurück.

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