Natur · 5. Juli 2021
Die Bergblumen entdecken
Im Frühsommer bricht die mittlere Höhenstufe in Farben aus. Knabenkraut, Trollblume, Alpenrosen: unser kleiner Wegweiser zu den Wildblumen von Arolla.
Von Patricia · 4 Min. Lesezeit

Unten im Tal hat die Heuernte bereits begonnen. Doch je höher man nach Arolla steigt, desto anders zeigt sich der Sommer: in der mittleren Höhenstufe ein wahres Blütenmeer. Die Strasse führt an weiten Wiesen entlang, übersät von tausend Wildblumen, und jede Kehre enthüllt einen neuen Farbton. Es ist die Zeit des Jahres, in der sich der Berg in seine schönsten Farben kleidet – die flüchtigen Farben der Wochen nach der Schneeschmelze.
Die Farben des Sommers
In den grünen Wiesen geben einige Arten den Ton der Saison an. Man begegnet ihnen schon auf den ersten Wiesen, entlang des Weges, der ins Dorf hinaufführt, ohne lange suchen zu müssen.
- Das Knabenkraut, das erste der wilden Knabenkräuter, aufrecht im hohen Gras.
- Der Wiesen-Bocksbart, dessen gelbe Blüten dem Lauf der Sonne folgen.
- Das Vergissmeinnicht, ein zartes kleines Blau dicht über dem Boden.
- Die Berg-Flockenblume, von tiefem Blau mit fein zerschlitzten Blütenblättern.
- Die Kartäusernelke, ein leuchtendes Rosa in dichten Büscheln.
- Die Trollblume (Trollius europaeus), eine in sich geschlossene goldene Kugel, Sinnbild der feuchten Wiesen.
- Die weissen wilden Lilien, die die Wiesen mit hellen Tupfen sprenkeln.
Zu diesen häufigen Arten gesellen sich, für wen sich die Zeit zum Hinsehen nimmt, echte Seltenheiten. Der Frauenschuh (Cypripedium calceolus), die sagenhafteste unserer wilden Orchideen, verbirgt sich im Halbschatten des Unterholzes. Später in der Saison folgen die Türkenbund-Lilie mit ihrer überhängenden, gefleckten Blüte und das Edelweiss, der filzige Stern der Höhen, zum Sinnbild der Alpenflora geworden.
Eine Bergblume hält nur wenige Wochen. Genau das macht ihren Wert aus: man muss im richtigen Augenblick zur Stelle sein.
Von den Balkonen zu den Wäldern
Blumen sind nicht allein eine Sache der Wiesen. In Arolla wie im ganzen Wallis schmücken sich die Dörfer in der warmen Jahreszeit: rote Geranien und Surfinien quellen über Balkone und Fenster, die Brunnen sind von ihnen umkränzt. Es ist ein typisch schweizerisches Bild, Jahr für Jahr gepflegt, das den Gang durch die Weiler begleitet.
Im Wald aus Lärchen und Arven, der das Hotel säumt, folgt die Blüte ihrem eigenen Kalender. Den Teppichen aus Frühlingsenzian folgt die Zeit der Alpenrosen. Sinnbild der Bergwanderungen, nennt man sie zuweilen die Akazie der Berge, denn die Bienen lieben sie – und der Honig, der daraus entsteht, zählt zu den begehrtesten. Auf der Stufe der Alpweiden, gegen 2 000 Meter, erreicht die Blüte ihren Höhepunkt: eine Vielfalt an Wildblumen, die den ganzen Reichtum dieser Hochlagen-Biodiversität ausmacht.
Anschauen, nicht pflücken
Einige der schönsten Arten sind in der Schweiz geschützt – das Edelweiss und der Frauenschuh gehören dazu – und ihr Pflücken ist verboten. Die Regel ist einfach und passt gut zum Berg: man bewundert sie, fotografiert sie, lässt sie, wo sie sind. Es ist zugleich der sicherste Weg, damit sie auch im nächsten Sommer wieder blühen.
Den ganzen Sommer über führen unsere Bergführer die Gäste auf die Wege von Arolla, um diese Wildblumen zu entdecken. Man lernt, sie zu benennen, die Lebensräume zu erkennen, die sie beherbergen, die Wiese neu zu lesen. Eine sanfte Art zu gehen, mit der Nase nahe am Boden ebenso wie mit den Augen zu den Gipfeln.
Ein Sommeraufenthalt im Grand Hôtel & Kurhaus ist das Versprechen solcher Morgen: zu Fuss vom Garten aus aufbrechen, die blühenden Wiesen durchqueren, zum Tee im Salon zurückkehren. Der Berg ganz nah, auf Höhe einer Blume.
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